Reden nach 1945
Aktualisiert am Lesezeit etwa 2 MinutenRubrik: Reden
Nach der großen Rede vom November 1945 sprach Wiechert noch mehrmals öffentlich – vor Überlebenden in Dachau, vor Schriftstellern aus aller Welt in Zürich und in einer Dorfkirche am Zürichsee. Eine weitere Rede wurde nie gehalten.
Über Kunst und Künstler (1946)
Diese Rede wurde nie gehalten. Sie ist mit Hamburg 1946 verbunden und erschien als „ungesprochene Rede“ im Druck. Das Thema – was Kunst und Künstler einer Zeit schulden – hat Wiechert lange beschäftigt; schon seine Gedichtdeutungen „Von den treuen Begleitern“ (1938) kreisen darum (Spiele und Gedichte).
Gedenken der Toten (Dachau, 1947)
Am 17. Mai 1947 sprach Wiechert bei der ersten Gedächtniskundgebung für die Opfer des Konzentrationslagers Dachau. Als ehemaliger Häftling eines anderen Lagers war er dafür eine naheliegende Stimme. Schon der Titel macht den Charakter der Rede deutlich: ein Totengedenken, gehalten an einem Ort, an dem Zehntausende gelitten hatten und gestorben waren.
An die Schweizer Freunde (Zürich, 1947)
Am 4. Juni 1947 trat Wiechert vor dem 19. Internationalen PEN-Kongress in Zürich auf, einem der ersten großen internationalen Schriftstellertreffen nach dem Krieg, zu dem auch wieder Deutsche eingeladen waren. Der Titel wendet sich an das Gastland, in dem ihm Hermann Hesse und Max Picard schon 1937 geraten hatten zu bleiben. Ein Jahr später zog Wiechert selbst in die Schweiz.
Das zerstörte Menschengesicht (Stäfa, 1947)
Bei einer Goethe-Feier in der Kirche von Stäfa am Zürichsee sprach Wiechert am 22. September 1947 über „Das zerstörte Menschengesicht“. Der Anlass – Goethe – und der Titel stehen einander schroff gegenüber: das klassische Bild vom Menschen und seine Zerstörung in den vergangenen Jahren. Stäfa wurde wenig später sein Wohnort – im Ortsteil Uerikon verbrachte er seine letzten beiden Lebensjahre (Wolfratshausen und die Schweiz).
Einordnung
Die späten Reden erreichten nicht mehr die Wirkung der Rede von 1945. Sie zeigen einen Autor, der sich zunehmend als Stimme eines anderen, geistigen Deutschland verstand – und der im eigenen Land immer weniger Gehör fand. Wie seine Rolle in diesen Jahren bewertet wird, beschreibt das Kapitel Innere Emigration.