Wirkung und Rezeption
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Kaum ein deutscher Autor wurde in den 1930er und 1940er Jahren so viel gelesen wie Ernst Wiechert – und kaum einer geriet danach so gründlich in Vergessenheit. Seine Wirkungsgeschichte ist auch eine Geschichte der deutschen Nachkriegsliteratur.

Ein Autor für Millionen
Seit Anfang der 1930er Jahre gehörte Wiechert zu den meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Seine Bücher erreichten Millionenauflagen, allein 1940 wurden rund 200.000 Exemplare gedruckt, und über Jahre standen seine Texte in den Schullesebüchern. Selbst unter den Einschränkungen nach 1938 – kein Name im Verlagsprospekt, keine Bücher im Schaufenster – blieb er ein Bestsellerautor.
Das Echo bei Kollegen und Kritikern war dagegen immer gespalten. Schon in den 1920er Jahren trennte ein tiefer Graben die nationalkonservativen Autoren, denen Wiechert nahestand, von den Schriftstellern der urbanen Moderne. Die Exilautoren beurteilten ihn vor 1945 überwiegend positiv: Carl Zuckmayer nannte ihn in seinem Geheimreport 1943/44 einen der besten und tapfersten der in Deutschland gebliebenen Schriftsteller.
Nach 1945: Kult und Spott
Zum 60. Geburtstag 1947 erschien ein Gedenkbuch, in dem sich Ricarda Huch, Johannes R. Becher, Hermann Hesse, Werner Bergengruen, Reinhold Schneider, Hans Carossa und viele andere zu ihm bekannten. Der „Spiegel“ berichtete ausführlich. Doch die jüngeren Autoren gingen auf Distanz; im Umfeld der späteren Gruppe 47 wurde Wiechert parodiert (Rede an die deutsche Jugend). Oskar Maria Graf fand ihn egozentrisch und manieriert, Max Frisch sah im „Totenwald“ eine „Ausflucht ins Pathos“, Georg Lukács schrieb 1956, Wiecherts altpreußischer Pietismus habe Hitler nur einen dumpfen Widerstand entgegensetzen können.
Das Vergessen
Nach seinem Umzug in die Schweiz 1948 und seinem Tod 1950 verschwanden seine Texte nach und nach aus den Schulbüchern. Urbanität und Moderne, die beiden Gegenpole seines Denkens, bestimmten das literarische Klima. Marcel Reich-Ranicki erinnerte sich 2007, seine Generation habe diese Literatur sentimental und weltfremd gefunden. Die Neuausgabe des „Totenwalds“ 2008 zeigte, dass die Debatte über Wiechert noch nicht beendet ist.
Die Kapitel
- Wiechert und die Innere EmigrationWiderständler, Mitläufer oder „Widerstehender“? Die Debatte um Wiecherts Rolle 1933–1945.
- Wiechert in Polen und OsteuropaMasurischer Brückenautor: Übersetzungen, Museen in Piersławek und Mrągowo, Gedenken in Kaliningrad.
- Erinnerungsorte: wo man Wiechert heute begegnetGeburtshaus, Museen, Gedenksteine und das Grab in Stäfa – eine Übersicht.
Heute kümmert sich die Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft mit Tagungen, Schriftenreihen und Lesungen um die Forschung; sie wurde 1989 gegründet und hat Mitglieder aus vielen Ländern. Diese Seiten stehen in keiner Verbindung zu ihr – sie sind ein unabhängiges Informationsangebot (Über das Projekt).