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Ernst Wiechert

Leben · Werk · Wirkung eines ostpreußischen Erzählers

Wiechert in Polen und Osteuropa

Aktualisiert am Lesezeit etwa 2 MinutenRubrik: Wirkung

In Deutschland ist Wiechert weitgehend vergessen. In Polen dagegen, wo sein Geburtsort heute liegt, gilt er als völkerverbindender masurischer Autor und als Teil des regionalen Kulturerbes. Auch in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, wird an ihn erinnert.

Weißes Rathaus mit Uhrturm und rotem Dach, davor ein Denkmal und Bäume
Das alte Rathaus in Mrągowo (Sensburg), seit 2007 Sitz eines Ernst-Wiechert-Museums · Bild: TBS, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Masuren gehörte bis 1945 zu Ostpreußen und ist seitdem Teil Polens. Die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, die Orte erhielten polnische Namen: Kleinort wurde Piersławek, Sensburg wurde Mrągowo, Peitschendorf wurde Piecki. Dass gerade hier ein deutscher Schriftsteller besonders geehrt wird, ist bemerkenswert – und hat mit seinem Werk zu tun.

Warum gerade Wiechert?

Wiecherts Bücher erzählen von der Landschaft, in der heute polnische Familien leben: von denselben Seen, Wäldern und Mooren. Sie verklären keine deutsche Herrschaft über das Land, sondern die Natur und die einfachen Menschen, darunter viele Masuren mit eigener Sprache. Dazu kommt seine Biografie: ein Autor, der ins KZ kam und nach 1945 offen über deutsche Schuld sprach. Für polnische Leser, die nach der Geschichte ihrer Region vor 1945 fragen, ist Wiechert daher ein Zugang, der nicht mit Revanchismus belastet ist.

Übersetzungen

Zahlreiche Werke liegen auf Polnisch vor, darunter „Die kleine Passion“, „Das einfache Leben“, „Die Majorin“, „Der Totenwald“, „Missa sine nomine“, die Jugenderinnerungen „Wälder und Menschen“, die Märchen und „Die Jerominkinder“. Polnische Germanisten haben über Wiecherts Werk und seine Haltung in der NS-Zeit geforscht, etwa Marcin Gołaszewski mit einer Fallstudie über seinen Weg in die Innere Emigration.

Orte der Erinnerung in Masuren

Bereits 1950 wurde am Geburtshaus in Kleinort eine Gedenktafel in polnischer Sprache angebracht. 1987, zum 100. Geburtstag, gab man in Polen eine Ernst-Wiechert-Medaille heraus; 1989 gründete sich der „Masurische Verein der Freunde des Werkes des Dichters Ernst Wiechert“. 1996 entstand im Forsthaus ein kleines Museum, 1997 folgte eine deutsche Gedenktafel. In Piecki gibt es seit 2000 eine Dauerausstellung in der Bibliothek, die seit 2006 Wiecherts Namen trägt, und seit 2007 zeigt das Museum im alten Rathaus von Mrągowo eine Ausstellung zu ihm.

Tschechien und Ungarn

Wiecherts Werke wurden auch ins Tschechische und Ungarische übersetzt, dazu in viele westeuropäische Sprachen. „Der Totenwald“ erschien unter anderem auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Schwedisch, Finnisch und Niederländisch, außerdem in Japan. In den Ländern Mittel- und Osteuropas wurde er nach 1945 besonders als Zeuge gegen den Nationalsozialismus gelesen.

Besuchen

Wer Masuren bereist, kann Kleinort, Piecki und Mrągowo gut an einem Tag verbinden. Die Landschaft der Johannisburger Heide, heute Puszcza Piska, ist weitgehend bewaldet geblieben. Eine Übersicht der Orte, auch in Deutschland und der Schweiz, bietet die Seite Erinnerungsorte. Wie die Kindheit dort aussah, beschreibt Kindheit in Masuren.

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