Der Lebensweg Ernst Wiecherts
Aktualisiert am Lesezeit etwa 2 MinutenRubrik: Leben
Ernst Wiecherts Leben lässt sich an sechs Orten entlang erzählen. Jeder steht für einen Abschnitt, der sich in seinen Büchern wiederfindet – manchmal fast wörtlich, manchmal verwandelt in eine Figur.
- 1887geboren im Forsthaus Kleinort, Masuren
- 1911Studienrat in Königsberg
- 1914–18Kriegsdienst an der Westfront
- 1930Umzug nach Berlin
- 1933freier Schriftsteller in Ambach
- 1936Hof Gagert bei Wolfratshausen
- 1938Haft im KZ Buchenwald
- 1948Übersiedlung an den Zürichsee
- 1950gestorben in Uerikon
Überblick in Daten
| Jahr | Station |
|---|---|
| 1887 | Geburt am 18. Mai im Forsthaus Kleinort in der Johannisburger Heide, Masuren |
| 1898–1905 | Oberrealschule in Königsberg |
| bis 1911 | Studium der Germanistik und Anglistik an der Albertus-Universität, Staatsexamen 1911 |
| 1912 | Heirat mit Meta Mittelstädt; Tod der Mutter |
| 1914–1918 | Kriegsfreiwilliger, Einsatz an der Westfront, zweimal verwundet, Leutnant der Reserve |
| 1916 | Erster Roman „Die Flucht“ unter Pseudonym |
| 1920er | Lehrer am Hufengymnasium in Königsberg |
| 1929 | Tod seiner Frau Meta |
| 1930 | Wechsel an ein Gymnasium in Berlin |
| 1932 | „Die Magd des Jürgen Doskocil“, Heirat mit Paula „Lilje“ Junker |
| 1933 | Abschied vom Schuldienst, freier Schriftsteller in Ambach am Starnberger See; erste Münchner Rede |
| 1936 | Umzug auf den neu gebauten Hof Gagert bei Wolfratshausen |
| 1938 | Verhaftung im Mai, ab Anfang Juli Häftling im KZ Buchenwald, Entlassung Ende August |
| 1939 | „Das einfache Leben“ |
| 1945 | „Rede an die deutsche Jugend“ in München |
| 1946 | „Der Totenwald“ erscheint |
| 1948 | Übersiedlung in die Schweiz, Rütihof in Uerikon am Zürichsee |
| 1950 | Tod am 24. August; „Missa sine nomine“ erscheint |
Ein Leben in Brüchen
Wiecherts Biografie ist keine gerade Linie. Der junge Lehrer, der nach dem Ersten Weltkrieg zwei düstere, völkisch getönte Romane schrieb, ist ein anderer als der Autor, der 1935 vor Studenten von Recht und Unrecht sprach. Er selbst hat diese frühen Bücher später verworfen und angeordnet, dass sie nicht mehr einzeln aufgelegt werden. Dazwischen liegen private Katastrophen: Seine Mutter nahm sich 1912 das Leben, der einzige Sohn starb 1917 einen Tag nach der Geburt, seine erste Frau starb 1929 ebenfalls durch Suizid.
Der Umzug nach Berlin 1930 und die zweite Ehe markieren einen Neubeginn. Ab 1933 lebte Wiechert als freier Schriftsteller in Oberbayern, gut verkauft und viel gelesen. Die Haft im KZ Buchenwald 1938 wurde zum Einschnitt, der alles Spätere prägt: die Romane über Schuld und Neuanfang, die Reden nach 1945, auch den Entschluss, Deutschland 1948 zu verlassen.
Die Kapitel im Einzelnen
- Kindheit in Masuren: das Forsthaus KleinortFörsterssohn in der Johannisburger Heide – die Landschaft, aus der fast alle Bücher kommen.
- Lehrer in Königsberg und BerlinStudium, Krieg, Schuldienst am Hufengymnasium – und die frühen Romane.
- Buchenwald 1938: Verhaftung, Lager, GoebbelsNiemöller, Verhaftung, zwei Monate als Häftling Nr. 7188 – der Einschnitt seines Lebens.
- Ambach, Hof Gagert und die letzten Jahre in der SchweizFreier Schriftsteller in Oberbayern, vergrabene Manuskripte, Tod am Zürichsee 1950.
Wie viel von alledem in den Büchern steckt, zeigen besonders die beiden Erinnerungsbände Wälder und Menschen und Jahre und Zeiten.