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Ernst Wiechert

Leben · Werk · Wirkung eines ostpreußischen Erzählers

Der Lebensweg Ernst Wiecherts

Aktualisiert am Lesezeit etwa 2 MinutenRubrik: Leben

Ernst Wiecherts Leben lässt sich an sechs Orten entlang erzählen. Jeder steht für einen Abschnitt, der sich in seinen Büchern wiederfindet – manchmal fast wörtlich, manchmal verwandelt in eine Figur.

Lebenslinie Ernst WiechertsSchematische Karte seiner Lebensstationen: Kleinort in Masuren 1887, Königsberg, Berlin 1930, Ambach und Wolfratshausen in Oberbayern, KZ Buchenwald 1938, zuletzt Uerikon am Zürichsee 1948 bis 1950.OstseeJohannisburger HeideKleinort1887Königsberg1905–1930Berlin1930–1933Buchenwald1938Ambach · Wolfratshausen1933–1948Uerikon am Zürichsee1948–1950schematisch, nicht maßstäblich
  1. 1887geboren im Forsthaus Kleinort, Masuren
  2. 1911Studienrat in Königsberg
  3. 1914–18Kriegsdienst an der Westfront
  4. 1930Umzug nach Berlin
  5. 1933freier Schriftsteller in Ambach
  6. 1936Hof Gagert bei Wolfratshausen
  7. 1938Haft im KZ Buchenwald
  8. 1948Übersiedlung an den Zürichsee
  9. 1950gestorben in Uerikon

Überblick in Daten

JahrStation
1887Geburt am 18. Mai im Forsthaus Kleinort in der Johannisburger Heide, Masuren
1898–1905Oberrealschule in Königsberg
bis 1911Studium der Germanistik und Anglistik an der Albertus-Universität, Staatsexamen 1911
1912Heirat mit Meta Mittelstädt; Tod der Mutter
1914–1918Kriegsfreiwilliger, Einsatz an der Westfront, zweimal verwundet, Leutnant der Reserve
1916Erster Roman „Die Flucht“ unter Pseudonym
1920erLehrer am Hufengymnasium in Königsberg
1929Tod seiner Frau Meta
1930Wechsel an ein Gymnasium in Berlin
1932„Die Magd des Jürgen Doskocil“, Heirat mit Paula „Lilje“ Junker
1933Abschied vom Schuldienst, freier Schriftsteller in Ambach am Starnberger See; erste Münchner Rede
1936Umzug auf den neu gebauten Hof Gagert bei Wolfratshausen
1938Verhaftung im Mai, ab Anfang Juli Häftling im KZ Buchenwald, Entlassung Ende August
1939„Das einfache Leben“
1945„Rede an die deutsche Jugend“ in München
1946„Der Totenwald“ erscheint
1948Übersiedlung in die Schweiz, Rütihof in Uerikon am Zürichsee
1950Tod am 24. August; „Missa sine nomine“ erscheint

Ein Leben in Brüchen

Wiecherts Biografie ist keine gerade Linie. Der junge Lehrer, der nach dem Ersten Weltkrieg zwei düstere, völkisch getönte Romane schrieb, ist ein anderer als der Autor, der 1935 vor Studenten von Recht und Unrecht sprach. Er selbst hat diese frühen Bücher später verworfen und angeordnet, dass sie nicht mehr einzeln aufgelegt werden. Dazwischen liegen private Katastrophen: Seine Mutter nahm sich 1912 das Leben, der einzige Sohn starb 1917 einen Tag nach der Geburt, seine erste Frau starb 1929 ebenfalls durch Suizid.

Der Umzug nach Berlin 1930 und die zweite Ehe markieren einen Neubeginn. Ab 1933 lebte Wiechert als freier Schriftsteller in Oberbayern, gut verkauft und viel gelesen. Die Haft im KZ Buchenwald 1938 wurde zum Einschnitt, der alles Spätere prägt: die Romane über Schuld und Neuanfang, die Reden nach 1945, auch den Entschluss, Deutschland 1948 zu verlassen.

Die Kapitel im Einzelnen

  1. Kindheit in Masuren: das Forsthaus KleinortFörsterssohn in der Johannisburger Heide – die Landschaft, aus der fast alle Bücher kommen.
  2. Lehrer in Königsberg und BerlinStudium, Krieg, Schuldienst am Hufengymnasium – und die frühen Romane.
  3. Buchenwald 1938: Verhaftung, Lager, GoebbelsNiemöller, Verhaftung, zwei Monate als Häftling Nr. 7188 – der Einschnitt seines Lebens.
  4. Ambach, Hof Gagert und die letzten Jahre in der SchweizFreier Schriftsteller in Oberbayern, vergrabene Manuskripte, Tod am Zürichsee 1950.

Wie viel von alledem in den Büchern steckt, zeigen besonders die beiden Erinnerungsbände Wälder und Menschen und Jahre und Zeiten.