Ambach, Hof Gagert und die letzten Jahre in der Schweiz
Aktualisiert am Lesezeit etwa 3 MinutenRubrik: Leben
Siebzehn Jahre lebte Ernst Wiechert in Oberbayern, die meiste Zeit auf einem eigenen Hof über dem Loisachtal. Dort schrieb er seine bekanntesten Bücher – einige davon vergraben im Garten. Die letzten zwei Jahre verbrachte er in der Schweiz.

Im Frühjahr 1933 verließ Wiechert Berlin und den Schuldienst. Mit seiner Frau Lilje zog er nach Ambach am Ostufer des Starnberger Sees und lebte fortan vom Schreiben. Die Bücher verkauften sich gut: „Die Magd des Jürgen Doskocil“ hatte ihn bekannt gemacht, es folgten in rascher Folge Die Majorin, Der Todeskandidat, die Hirtennovelle und die Jugenderinnerungen Wälder und Menschen.
Der Hof Gagert
Im Spätherbst 1936 bezogen die Wiecherts einen neu gebauten Hof am Münsinger Berg oberhalb von Wolfratshausen, den Gagert-Hof. Er stand auf den Grundmauern eines älteren Bauernhofs, der Jahrzehnte zuvor abgebrannt war. Zwölf Jahre lang war der Hof Wiecherts Zuhause und Arbeitsort – ein Rückzugsort, der ihn allerdings nicht vor der Überwachung durch die Gestapo schützte.
Nach der Haft in Buchenwald kehrte er im Herbst 1938 auf den Gagert zurück. In den folgenden Jahren entstanden hier der Lagerbericht „Der Totenwald“ und der erste Band der „Jerominkinder“. Beide Manuskripte vergrub Wiechert im Garten, in einem Blechkasten, damit sie bei einer Hausdurchsuchung nicht gefunden würden. Sie überstanden den Krieg in der Erde.

Nach dem Krieg
Mit dem Ende des NS-Regimes war Wiechert plötzlich eine gefragte moralische Instanz. Am 11. November 1945 sprach er im vollen Münchner Schauspielhaus seine Rede an die deutsche Jugend. Die Bücher, die er vergraben hatte, erschienen nun, dazu die Märchen und mehrere Erzählbände. Zum 60. Geburtstag 1947 gratulierten Dichter und Gelehrte in einem eigenen Gedenkbuch, darunter Ricarda Huch, Hermann Hesse, Werner Bergengruen und Hans Carossa.
Doch die Stimmung kippte schnell. Jüngeren Autoren war sein Ton zu feierlich, politische Beobachter vermissten eine Analyse der Ursachen. In der Zeitschrift „Der Ruf“ erschienen 1946 und 1947 Parodien auf seine Reden. Wiechert wiederum äußerte in einem Interview, er habe den Glauben an die Zukunft der Deutschen verloren. Die Einzelheiten dieser Auseinandersetzung beschreibt das Kapitel Innere Emigration.
Uerikon am Zürichsee
Im Juni 1948 übersiedelte Wiechert in die Schweiz. Er ließ sich auf dem Rütihof in Uerikon nieder, einem Ortsteil von Stäfa am rechten Ufer des Zürichsees. Seine Frau blieb in Deutschland. Freunde hatten ihm schon 1937 geraten, in der Schweiz zu bleiben; nun ging er aus eigenem Entschluss. Der Umzug war auch ein Eingeständnis, dass er im Literaturbetrieb der beiden entstehenden deutschen Staaten keinen Platz mehr für sich sah.
In diese letzten Jahre fallen der zweite Teil seiner Erinnerungen, „Jahre und Zeiten“, und sein letzter Roman Missa sine nomine, die Geschichte dreier Brüder, die nach Krieg und Vertreibung einen Neuanfang suchen. Schon 1947 hatte er vor dem Internationalen PEN-Kongress in Zürich gesprochen und in der Kirche von Stäfa eine Rede zur Goethe-Feier gehalten (Reden nach 1945).
Tod und Grab
Ernst Wiechert starb am 24. August 1950 im Alter von 63 Jahren an einem Krebsleiden. Er wurde in Stäfa begraben. Er hinterließ 13 Romane und etwa 50 Novellen und Erzählungen; einige Werke, darunter der früh geschriebene Roman „Der Exote“ und die Gedichtbände, erschienen erst nach seinem Tod.
In Wolfratshausen erinnern heute der Ernst-Wiechert-Weg, ein 1975 aufgestelltes Totenbrett am Tor des früheren Gagert-Hofs und ein Gedenkstein an der Loisachhalle an ihn. Diese und weitere Orte versammelt die Seite Erinnerungsorte.