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Ernst Wiechert

Leben · Werk · Wirkung eines ostpreußischen Erzählers

Womit anfangen? Eine Lesefolge

Wiechert hat viel geschrieben, und nicht alles hat gleich gut überdauert. Wer ihn kennenlernen will, fängt am besten mit kurzen Texten an und arbeitet sich zu den großen Romanen vor. Hier ist ein Vorschlag in fünf Schritten.

1. Ein kurzer Einstieg: Hirtennovelle

Die Hirtennovelle ist in einem Abend gelesen und enthält fast alles, was Wiechert ausmacht: ein masurisches Dorf, einen jungen Helden aus einfachsten Verhältnissen, die Natur als Lehrmeisterin, eine christliche Deutung und einen stillen Tod. Wer danach mehr will, liest die Erzählungen aus Das heilige Jahr.

2. Der Erfolgsroman: Die Magd des Jürgen Doskocil

Mit diesem Buch wurde Wiechert 1932 berühmt, und es zeigt ihn auf der Höhe seiner Erzählkunst (Die Magd des Jürgen Doskocil). Der schweigsame Fährmann und die Magd Marte bleiben lange im Gedächtnis.

3. Das Hauptwerk: Das einfache Leben

Das einfache Leben ist der Schlüssel zu Wiechert – und zum Streit über ihn. Am besten liest man den Roman zusammen mit der Seite über die Innere Emigration, um die Kritik daran zu verstehen.

4. Das Zeugnis: Der Totenwald

Der Bericht über Buchenwald (Der Totenwald) ist schmal, aber schwer. Er zeigt den Menschen hinter dem Werk und die Grenzen seines Blicks zugleich. Hilfreich ist die Lektüre des Kapitels Buchenwald 1938 vorab.

5. Der große Roman: Die Jerominkinder

Wer bis hierher gekommen ist, kann sich an die beiden Bände der Jerominkinder wagen, Wiecherts umfangreichsten und für viele reifsten Roman. Als Ergänzung bieten sich die Erinnerungen Wälder und Menschen an.

Wo man die Texte bekommt

Seit 2021 sind Wiecherts Werke gemeinfrei. Viele stehen kostenlos beim Projekt Gutenberg. Gedruckte Ausgaben der Verlage Kurt Desch und Langen Müller sind antiquarisch günstig zu finden; „Der Totenwald“ gibt es in der Bibliothek Suhrkamp. Weitere Hinweise stehen unter Literatur und Ausgaben.