Lehrer in Königsberg und Berlin
Aktualisiert am Lesezeit etwa 3 MinutenRubrik: Leben
Bevor er Schriftsteller von Beruf wurde, war Ernst Wiechert fast zwei Jahrzehnte lang Lehrer. Die Schule, der Krieg und schwere private Verluste prägten diese Jahre – und die Bücher, die er nebenher schrieb.

Nach der Oberrealschule studierte Wiechert an der Albertus-Universität in Königsberg Germanistik und Anglistik. 1911 legte er das Staatsexamen ab. Es folgten Jahre im höheren Schuldienst der Stadt, zunächst als Assessor an der Burgschule, in den 1920er Jahren dann am Hufengymnasium, einer der angesehenen Schulen der Stadt. 1912 heiratete er Meta Mittelstädt. Im selben Jahr nahm sich seine Mutter das Leben.
Der Krieg
Als der Erste Weltkrieg begann, meldete sich Wiechert freiwillig, wurde aber wegen einer Nierenerkrankung zunächst wieder entlassen. 1915 kam er doch an die Front und erhielt im selben Jahr das Eiserne Kreuz II. Klasse, später auch das der I. Klasse. 1916 wurde er zum Offizier ausgebildet, zweimal verwundeten ihn Granatsplitter. 1917 wurde sein einziges Kind geboren, der Sohn Ernst-Edgar; er lebte nur einen Tag.
Der Krieg hat Wiechert nicht mehr losgelassen. Tote Kameraden, zerschossene Dörfer, der sinnlose Tod junger Männer tauchen in vielen seiner Erzählungen auf, am eindringlichsten in den drei Geschichten des Bandes Der Todeskandidat (1934) und in den Kriegsnovellen aus Das heilige Jahr.
Schreiben neben dem Unterricht
Schon während des Krieges begann Wiechert zu schreiben. Sein erster Roman „Die Flucht“ erschien 1916 unter dem Pseudonym Ernst Barany Bjell. In den Nachkriegsjahren folgten „Der Wald“ (1922) und „Der Totenwolf“ (1924) – Bücher voller Verzweiflung, Stadtverachtung und, im Fall des „Totenwolfs“, völkisch-antichristlicher Gewaltverherrlichung. Wiechert hat sich später deutlich davon distanziert. Mehr dazu auf der Seite Die frühen Romane.
Um das Jahr 1929 fällt ein Wandel auf. Seine Texte werden stiller und christlicher, die Erzählungen des Bandes Der silberne Wagen (1928) und der Roman Die kleine Passion (1929) zeigen den Ton der reifen Jahre. Am 16. März 1929 hielt Wiechert in Königsberg eine Abschiedsrede an die Abiturienten. Literaturhistoriker lesen sie als Zeugnis des gewandelten, geläuterten Autors – und als frühes Beispiel für die Rolle, die er später als Redner übernehmen sollte.
Ein zweiter Verlust, ein zweiter Anfang
1929 starb seine Frau Meta, ebenfalls durch Suizid. Wiechert verließ Königsberg und wechselte 1930 an ein Gymnasium in Berlin. Dort lernte er Paula Marie Junker kennen, genannt „Lilje“, die er 1932 heiratete. Im selben Jahr erschien Die Magd des Jürgen Doskocil, das Buch, mit dem er endgültig bekannt wurde. Für den Roman erhielt er 1932 den Volkspreis für Dichtung der Wilhelm-Raabe-Stiftung in Braunschweig; schon 1929 war seine Erzählung „Der Hauptmann von Kapernaum“ mit einem Literaturpreis bedacht worden.
Im April 1933 gab Wiechert den Schuldienst auf und zog nach Oberbayern. Der Entschluss hatte mit dem Erfolg zu tun, aber auch mit dem Wunsch, der Stadt zu entkommen. Wie es weiterging, erzählt das Kapitel Wolfratshausen und die Schweiz.
Spuren in Kaliningrad
Das Gebäude des Hufengymnasiums steht noch im heutigen Kaliningrad und wird von einer Bau-Fachschule genutzt. 1995 wurde dort ein Gedenkstein für Wiechert gesetzt, 2005 ein kleines Gedenkkabinett eingerichtet. Mehr zu diesen Orten im Kapitel Erinnerungsorte.