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Ernst Wiechert

Leben · Werk · Wirkung eines ostpreußischen Erzählers

Weitere Erzählungen, Romane und Betrachtungen

Aktualisiert am Lesezeit etwa 3 MinutenRubrik: Werk

Neben den großen Romanen schrieb Wiechert rund fünfzig Erzählungen und Novellen, dazu Betrachtungen und kleinere Romane. Diese Seite stellt die Titel vor, die keine eigene Seite haben – vom Seefahrer Atli bis zu den Erzählungen, die seine Witwe nach seinem Tod herausgab.

Die Flöte des Pan (1930)

Der Erzählband erschien in dem Jahr, in dem Wiechert nach Berlin wechselte. Er enthält unter anderem „Der Hauptmann von Kapernaum“, für den er 1929 einen Literaturpreis erhielt – eine der ersten Auszeichnungen seiner Laufbahn. Der Band gehört zur Übergangszeit zwischen den düsteren frühen Romanen und dem Erfolg der „Magd des Jürgen Doskocil“.

Jedermann (1931)

Für den Roman „Jedermann“ erhielt Wiechert den Schünemann-Preis. Er gehört wie „Die kleine Passion“ zu den Werken der Jahre um 1930, mit denen er sich eine größere Leserschaft erschrieb, bevor ihm 1932 der Durchbruch gelang.

Eine Mauer um uns baue (1937) und Von den treuen Begleitern (1938)

Zwei kleinere Schriften aus den Jahren unter wachsender Beobachtung: „Eine Mauer um uns baue“ ist ein kurzer Denkaufsatz, „Von den treuen Begleitern“ versammelt Wiecherts Deutungen von Gedichten, die ihn ein Leben lang begleiteten. Beide zeigen den Autor als Lehrer, der er im Grunde geblieben war.

Atli, der Bestmann und Tobias (1938)

Der Band mit zwei Erzählungen erschien in dem Jahr seiner Haft. In der Titelgeschichte fährt ein junger Schriftsteller auf einem dreimastigen Schoner mit Holz nach Newcastle mit, weil er ein Gedicht auf das Schiff veröffentlicht hat. Er freundet sich mit dem Bestmann Atli an, dem Ersten Maat. Auf der Rückfahrt stirbt der Kapitän, Atli übernimmt das Kommando – und segelt nach einem Sturm nicht nach Hause, sondern in das Land seiner Träume, über die Azoren und die Bahamas bis in den Amazonas. Eines Morgens ist er verschwunden, den Blick zuletzt stromaufwärts gerichtet.

„Tobias“ ist das Gegenstück: Ein Student, der einen Menschen getötet hat, wandert vier Tage lang zu seiner Großmutter in die Mühle. Sie begegnet ihm, wie sie ihn als Kind erzogen hat – mit Schweigen, Warten und Beten –, bis er zur Einsicht kommt. Dann lässt sie schweren Herzens anspannen und ihn in die Stadt zurückfahren.

Nach 1945: Totenmesse, Dornbusch, Demetrius, Die Gebärde

Nach dem Krieg erschienen in rascher Folge kürzere Prosatexte: „Der brennende Dornbusch“ und „Demetrius“ (1945), die Erzählung „Die Totenmesse“ (1945/47), die der Komponist Paul Zoll später als „Requiem“ vertonte, der Band „Die Gebärde“ (1947) mit den Erzählungen „Die Gebärde“ und „Der Fremde“ sowie „Der Richter“ und „Die Mutter“ (1948). Viele dieser Texte kreisen um Schuld, Tod und Vergebung nach dem Krieg; sie stehen im Schatten der großen Romane, zeigen aber, wie intensiv Wiechert in diesen Jahren arbeitete. 1947 kam in der Schweiz außerdem „Der große Wald“ in einer bibliophilen Ausgabe der Vereinigung Oltner Bücherfreunde heraus.

Wo man die Texte findet

Einige dieser Werke sind beim Projekt Gutenberg frei lesbar, darunter „Jedermann“, „Die Flöte des Pan“, „Der Exote“, „Der brennende Dornbusch“ und „Atli, der Bestmann · Tobias“. Die übrigen findet man in den Werkausgaben von Desch und Langen Müller. Die wichtigsten Erzählbände mit eigener Seite sind Der silberne Wagen, Der Todeskandidat und Das heilige Jahr.

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